Die Bürger*innenbeteiligung in Harburg ist ein fester Bestandteil des Projekts ahoi. Im Rahmen des Innovationsprojektes mit Forschungscharakter werden autonome Shuttles in die manuelle On-Demand-Flotte von hvv hop in Hamburg-Harburg integriert. Damit das Projekt ein Gewinn für alle wird, werden auch die Harburger Bürger*innen involviert. Zweimal jährlich finden jeweils zwei Veranstaltungen statt, bei denen Harburger*innen die Möglichkeit bekommen, ihre Erwartungen und Anforderungen an die autonomen On-Demand-Shuttles in das Projekt einzubringen. Dabei ist ein wesentlicher Anspruch die Abbildung der demografischen Vielfalt. Neben Bürger*innen sollen auch die Interessen weiterer Verkehrsteilnehmender berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird Minderheiten und vulnerablen Gruppen ein starkes Mitspracherecht eingeräumt, insbesondere mobilitätseingeschränkten Personen, Kindern und Jugendlichen sowie Frauen.

Fokus auf Fahrgastkommunikation, -information und Ausstattung im autonomen Fahrzeug

Im Herbst 2026 fand die dritte Runde der Bürger*innenbeteiligung im Projekt ahoi statt – wie immer geleitet durch Michelle Mittmann, Referentin Bürger*innenbeteiligung bei vhh.mobility. Das Thema hatte sich aus dem ersten Beteiligungszyklus in 2024 ergeben: die „Fahrgastkommunikation, -information sowie Ausstattung im autonomen Fahrzeug“ stellte sich als Aufgabe heraus, die das Team bis zum Projektende genauer durchdenken muss. Nachdem in der ersten Beteiligung die Kommunikation mit dem und durch das autonome Fahrzeug entlang der gesamten Reisekette betrachtet worden war, fokussierte sich das Team im dritten Zyklus speziell auf den Reiseabschnitt „Während der Fahrt“. Die Bürger*innen sollten überlegen, welche Informations- und Kommunikationsbedarfe ab dem Betreten des Fahrzeugs bis zum Fahrtende und dem Verlassen des Fahrzeugs für die Fahrgäste entstehen.

Hierzu trafen sich 20 Harburger*innen an insgesamt drei Tagen im September und November 2025, um mit der Unterstützung des ahoi-Teams Bedürfnisse zu ermitteln und daraus Anforderungen zu formulieren. Während des Verfahrens wurden drei Schwerpunkte gesetzt, über die abwechselnd gesprochen wurde: Barrierefreiheit, Medien und Beschilderung sowie der Kontakt der Fahrgäste zur technischen Aufsicht.

Teilnehmende der Bürgerbeteiligung während der Gruppenarbeit

In Kleingruppen formulierten und diskutierten die Bürger*innen ihre Anforderungen an die Fahrgastinformation, -kommunikation und die Ausstattung im autonomen Shuttle.

Über 60 kreative Ideen wurden in zwei Bürger*innenkonferenzen entwickelt

An der zweitägigen Veranstaltung am 26. und 27. September 2025 in Harburg nahmen 13 Interessierte teil. Der erste Veranstaltungstag diente der Orientierung und dem Wissensaufbau. Um die Möglichkeiten und Grenzen der Ausgestaltung durch die Bürger*innen nachvollziehbar zu machen, schilderte Konrad Polster, Teilprojektleitung Fahrzeug, zu Beginn der Veranstaltung zunächst den Status Quo der Fahrzeugentwicklung im Projekt. Die Teilnehmenden erhielten zudem einen Rückblick auf bisherige Ergebnisse aus vorangegangenen Beteiligungsformaten sowie Erläuterungen zu den bisherigen Anforderungskatalogen und deren Einfluss auf die Projektentwicklung. Anschließend gab es Raum für Rückfragen und Diskussionen, um Unklarheiten zu klären und ein gemeinsames Verständnis der Projektziele zu schaffen. Am zweiten Tag stand die aktive Beteiligung im Vordergrund. Nach einer Einführung in die Arbeitsmethodik wurden die Teilnehmenden in Kleingruppen eingeteilt, die jeweils einem der definierten Themenschwerpunkte zugeordnet waren. Innerhalb der Gruppen diskutierten und dokumentierten sie ihre Erwartungen, Bedürfnisse und Ideen. Im Anschluss stellten alle Gruppen ihre Ergebnisse im Plenum vor und reflektierten gemeinsam. Dabei wurde auch die Gestaltung der nächsten Veranstaltung beraten.

Die zweite, offene Bürger*innenkonferenz fand am 15. November 2025 statt. 15 Bürger*innen nahmen teil, darunter auch Personen außerhalb Harburgs. Die Ergebnisse der ersten Konferenz wurden in einem „World Café“ vertieft, erweitert und priorisiert. Insgesamt konnten über 60 Anforderungen festgehalten werden. Zusätzlich bot ein „Open Space“ Raum für kreative Ansätze. Nach der Konferenz wurden die Ergebnisse transkribiert und zur weiteren Bearbeitung an die Schriftführer*innen – ebenfalls aus den Reihen der Bürger*innen – übergeben.

Open Space Pinnwand mit Bildern des autonomen Fahrzeugs

Platz für Ideen, Gespräche und kreative Ansätze im „Open Space“.

Die Anforderungen der Harburger*innen im Überblick

Michelle Mittmann erklärt: „Der vorliegende Anforderungskatalog unterstützt das Projektteam dabei, die Bedürfnisse der Harburger*innen zu verstehen und in der weiteren Arbeit zu berücksichtigen. Grundsätzlich gilt: Alle im Dokument festgehaltenen Anforderungen werden vom Projektteam geprüft und – sofern möglich – umgesetzt. Dabei sind die Anforderungen mit hoher Priorität besonders sorgfältig zu prüfen. Sollten Maßnahmen nicht umgesetzt werden können, ist eine schriftliche Begründung für die Teilnehmenden erforderlich.“

Beispiele für die Anforderungen, die im Rahmen der dritten Bürger*innenbeteiligung identifiziert wurden (Auszug):

  • Bekanntgabe der Haltepunkte: Als Fahrgast möchte ich, dass bei der Bekanntgabe von Haltepunkten meine Privatsphäre geschützt wird, indem ein Alias oder ein verallgemeinerter Code anstelle meines Namens oder der Adresse angezeigt wird.
  • Sicherer Ausstieg: Als Fahrgast erwarte ich einen sicheren Ein- und Ausstieg an jedem Haltepunkt, sowie Informationen darüber, wenn ein geplanter Haltepunkt nicht präzise angefahren werden kann oder verlegt wurde.
  • Informationen über Schließ- und Startzeit: Als eingeschränkter Fahrgast erwarte ich Informationen über die Dauer der Türöffnung und -schließung.
  • Sicheres Erreichen des Sitzplatzes: Als eingeschränkter Fahrgast erwarte ich, dass ich genügend Zeit habe, um meinen Sitzplatz zu erreichen, bevor das Fahrzeug losfährt.
  • Gut sichtbare, farbige Armlehnen und Griffe: Als eingeschränkter Fahrgast erwarte ich, dass Armlehnen und Griffe optisch hervorgehoben werden.
  • Leitstelle per App erreichbar: Als Fahrgast erwarte ich, die Leitstelle und die Technische Aufsicht auch über die App erreichen zu können.
  • Akustisches und optisches Signal beim Zuschalten der Leitstelle: Als Fahrgast erwarte ich, dass ich sowohl über ein akustisches als auch ein visuelles Signal erkennen kann, wenn sich die Leitstelle zuschaltet.
  • Informationen über Routenänderungen: Als (eingeschränkter) Fahrgast erwarte ich, dass ich sowohl visuell als auch akustisch über die Änderung der Route, die Dauer der Fahrt sowie die Zustiege weiterer Personen informiert werde.

Danke an alle Teilnehmenden

Michelle Mittmann ist zufrieden mit dem Ergebnis der dritten Bürger*innenbeteiligung im Projekt ahoi: „Durch die vielfältige Zusammensetzung der Gruppe konnten unterschiedliche Perspektiven und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Der Anforderungskatalog reflektiert die kollektive Meinung der Teilnehmenden und verdeutlicht, wie wichtig es ist, die Gesellschaft aktiv in die Gestaltung zukünftiger Technologien einzubeziehen, um allen Bedürfnissen gerecht werden zu können. Ich möchte mich bei den Bürger*innen für ihre Teilnahme, die gute Mitarbeit und das konstruktive Feedback bedanken. Es ist mir eine große Freude, so viele von euch in jeder Runde wiederzutreffen und zugleich immer wieder auch neue Teilnehmer*innen und ihre Ideen willkommen zu heißen.“

Titelbild: Die Teilnehmenden der offenen Konferenz im Rahmen der dritten Bürger*innenbeteiligung bei ahoi.